Das Pelzdings und die Krokus

Wie Liebe die Welt verändert


Es war einmal eine kleine Lichtung, mitten im Wald. Die Sonne schien hell und strahlend auf die Wiese herab, keine Wolke war am blauen Firmament zu sehen. Die Sonne hatte bereits so viel Kraft, dass nur mehr vereinzelt Schnee auf der Lichtung lag.
Es war ein wunderschöner Frühlingsmorgen.
Leise und unscheinbar streckten sich die kleinen, grünen Grashalme der warmen Sonne entgegen. Sie wollten wachsen und gedeihen und vor allem dieses trostlose und braune Fleckchen Erde wieder in eine üppige Wiese verwandeln.
Lauthals begrüßten sich auch die Vögel im Wald, wünschten sich gegenseitig einen wunderschönen Tag und viel Glück bei der Suche nach einem geeigneten Brutpartner. Viele flogen schon beschäftigt durch den Wald und sammelten Ästchen und Fellreste vom Boden auf, um ihren kleinen Küken, die in ein paar Wochen auf die Welt kommen würden, ein wohlig warmes Nestchen bieten zu können.
Ameisen krabbelten durch die noch kalte und nasse Wiese und brummten jeden unhöflich an, der ihnen auf der Suche nach Futter im Weg stand. Wie immer waren sie voll auf damit beschäftigt ihre Königin und deren Kinder zu füttern, so dass sie die wunderschöne Sonne und ihre Wärme gar nicht bemerkten.
Es gab allerdings einige Wiesenbewohner, die sich nur so nach der Wärme der gelben Kugel am Himmel sehnten – die Krokusse. Nach ihrem Schlaf in der Nacht, lechzten sie nur so danach endlich ihre Blüten öffnen und die Wärme einlassen zu können. Ein leises, für Menschenohren nicht wahrnehmbares Raunen, ging um die Wiese, als die Sonnenstrahlen endlich die Krokusse erreichte.
Langsam und bedächtig öffneten sich die weißen, rosa und lilafarbenen Blüten der Blumen.


Die Sonne wurde stärker und auch die Bewohner der Wiese geschäftiger.
Die lila-Krokus beobachtete das Treiben auf ihrer Heimatwiese und fühlte sich rundum wohl. Was gab es Schöneres? Für sie war gesorgt und die Sonne schien hell und breit auf ihre Blüten, so dass sie sich weit öffnen konnte.
Nach ein paar Momente des Genießens hörte sie ein Brummen, dass stetig lauter wurde. Je näher es kam, desto unheimlicher wurde es ihr. Außerdem spürte sie Wut und Angst unter ihresgleichen. Was war denn los?
Das Brummen wurde lauter und endlich konnte sie erkennen, was da passierte.
Ein großes, pelziges Fliegedings flog von einer Blume zur anderen, doch immer, wenn sie sich einer Blüte näherte, schlossen ihre Freundinnen und Freunde sofort ihre Blüten.
Als das Pelzdings ganz nah war, hörte sie ein leises Stimmchen sagen: „Bitte, nur ein kleines bisschen. Ich bin schon so müde und kraftlos. Ein bisschen von deinem Nektar, damit ich weiter leben kann…“
Doch die Antworten waren überall die selben: „Nein!“, „Geh weg!“, „Glaubst du ich teile mit dir meinen süßen Nektar?“, „Wo kämen wir denn da hin, wenn jeder einfach etwas bekommen würde?“
Und leise und immer schwächer werdend, zog die gepelzte Fliege weiter, bis sie neben der lila-Krokus landete, die das Treiben schon länger beobachtet hatte.
Geschwächt und müde atmete das Fliegedings leise. „Was ist denn los?“, fragte die lila-Krokus.
„Weißt du, der Winter war lang und ich habe so einen Hunger. Ich würde nur ein ganz Kleinwenig von dem Nektar trinken und dann weiterfliegen, aber so komme ich nicht mehr weit. Niemand will mir helfen und mit mir teilen…“ Tränchen schimmerten im Auge des gepelzten Fliegedings.
„Ich teile mit dir.“, flüsterte die lila-Krokus, die der kleinen gepelzten Fliege helfen wollte.
„Wirklich?“, sagte das Fliegedings und ihre Augen glitzerten. „Natürlich, ich hab genug und ich produzierte doch eh immer etwas nach, also nimm ruhig und flieg weiter.“
Ein Murmeln ging durch die anderen Krokusse. Sie waren verwundert, warum eine von ihnen teilte und etwas von sich hergab, obwohl das Fliegedings nichts als Dank hergeben konnte.


Mit letzter Kraft hob das Pelzfliegedings ab und schlüpfte in die weit geöffneten Blüten der Krokus zum Nektar herab. Sie trank ein bisschen und als sie sich gesättigt fühlte, kroch sie wieder heraus.
„Danke! Das war wunderbar. Du hast mich gerettet! Und weißt du wie ich es dir danken kann?“ Das Pelzdings war plötzlich ganz aufgeregt. „Nein, wie denn?“, fragte die lila-Krokus. Da wackelte das Pelzdings mit ihren Beinchen. „Schau mal!“, sagte es. Und da sah die lila-Krokus, dass sich Blütenstaub an den Beinchen gesammelt hatte. „Oh“, sagte sie und wurde ganz aufgeregt. Waren das diese Dinger, die von Blume zu Blume flogen und somit dabei halfen, dass immer neue Blumen wuchsen?
„Ich fliege nun zur nächsten Blume und irgendwann wirst du ganz viele kleine Blümchen wachsen sehen, die alle so wunderbar sind wie du.“
Der lila-Krokus schwoll die Brust an. Endlich war es soweit! Sie hatte dabei geholfen, dass es mehr und mehr und mehr Blumen auf der Wiese hier gab, nein sogar vielleicht auch auf der nächsten!
„Ich werde nun zu meinem Volk zurückfliegen und ihnen von dir erzählen, dann werden bestimmt viele zu dir kommen wollen und deinen Blütenstaub weitertragen!“
Ohhhh, wie aufregend, dachte die lila-Krokus und wurde ganz hibbelig. Sie hätte nicht erwartet, dass durch so eine kleine Geste, etwas so Wunderbares geschehen würde.
Ihre Blumenfreude und -freundinnen wurden auch aufgeregt und tuschelten miteinander. Sie wollten auch zur Verbreitung der Blumen beitragen. Und als ein ganzer Schwarm pelziger Fliegedingse angeflogen kam, öffneten sie ihre Blüten weit und ließen die Krabbelfliegedingse tief zum Nektar hinein. Die ganze Wiese war erfüllt von Freude und Aufgeregtheit!
Als die Sonne langsam unterging, kam das kleine Pelzding noch einmal zur lila-Krokus. „Danke nochmal.“, meinte sie. „Du hast nicht nur mein Leben gerettet, sondern auch durch dein Verhalten die anderen inspiriert. Aber vor allem hast du uns heute gelehrt, dass ein Akt von Liebe und Teilen eine Welt verändern kann. Die Welt wird dadurch bunter und schöner, so wie durch diese Blumen, die nun zu wachsen beginnen. Und es wird viele geben, Mensch und Tier, die sich daran erfreuen und durch sie leben können. Alleine weil du geliebt hast. Danke!“
Und die pelzige Fliege flog Richtung Sonne. Das lila-Krokus schaute ihr ein bisschen nach, fühlte sie dabei wunderbar. Und langsam, als die Sonne unterging, schloss sie ihre Blüten, freudig wartend auf den nächsten Morgen, an dem sie ihre Blüten wieder weit öffnen würde und damit zu einen wunderschönen Welt verhelfen wird.


Ein kleiner Akt der Liebe, kann Welten verändert!

Liebe ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.

(Albert Schweizer)

2 Kommentare
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    Eveline

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    SCHÖN!!!!! ❤️

    • Anna

      Anna

      Dankeschön Eveline! Ich mag solche Geschichten immer total gerne 🙂

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