Das Mutigste, dass ich je getan habe, war weiterzuleben, obwohl ich sterben wollte

Wie die schlimmste Zeit meines Lebens mich von Grund auf veränderte

Ich denke es ist mal wieder Zeit, etwas aus meiner Vergangenheit zu schreiben. Inspiration und Motivation sind wichtig, doch genauso wichtig ist es, Erfahrungen zu teilen. Und heute teile ich meine schlimmste Erfahrung, die sich im Nachhinein als das Beste was mir je passiert ist, entpuppte, mit euch.

The bravest thing I ever did was continuing my life when I wanted to die.

(Juliette Lewis)


Wenn mein Leben in einem Buch festgehalten werden würde, dann würde es total idyllisch und fast ein wenig kitschig starten. Liebevolle Familie, Geborgenheit und die Unterstützung von Zuhause, alles erreichen zu können.
Doch dann kam irgendwann ein Punkt in meinem Leben, ich kann gar nicht sagen, was und wann genau der Auslöser war, in dem ich unzufrieden wurde. Zuerst waren es nur Kleinigkeiten, die sich dann aber gegenseitig immer mehr und mehr aufbauschten. Ich war unzufrieden mit mir selbst und meinem Leben. Wusste irgendwie, dass es mehr gab, aber ich hatte keine Anleitung, WIE ich mein Leben so verändern könnte, dass es mich glücklich machte.
Getrieben von Unzufriedenheit und Trauer über meine Machtlosigkeit etwas ändern zu können, traf ich Entscheidungen, die sich im Nachhinein als ein wenig, na sagen wir, doof herausstellten 😉 Doch ohne diese Entscheidungen, wäre es nie so gekommen, wie es dann eben kam.

In all den Jahren des Leidens, hatte ich gelernt, ein Pokerface aufzusetzen (was jedoch nie bei meiner Familie funktionierte…), meine Gefühle tief in mir zu vergraben und auch niemanden an mich heranzulassen. Nähe bedeutete für mich, sich zu öffnen und verletzt zu werden. Und noch mehr Trauer wollte ich ganz und gar vermeiden. Ich redete mir ein, Arbeit und Ablenkung würden mir die Verletzungen heilen, doch bald begann mir mein Körper zu signalisieren, dass keine Arbeit, kein Hobby, kein Nicht-Beachten meine Wunden heilen würden, nein sie verschlimmerten sie sogar. Ich geriet immer mehr und mehr in Situationen, die mich noch mehr herausforderten, doch endlich für mich selbst einzugestehen, mich an erster Stelle zu setzen und mich selbst zu lieben. Jetzt betrachtet, war es klar, dass es immer schlimmer wurde, mein Fokus war ja nur auf das Schlechte und Nicht-Vorhandene in meinem Leben gesetzt. (Was soll ich sagen… -> GESETZ DER ANZIEHUNG! 😉 Du findest meine 2 Artikel dazu hier und hier)

Und irgendwann erreichte ich den Punkt, bei dem alles eskalierte. Ich nahm ab, obwohl ich mich dazu zwang zu essen, mir war oft schlecht, Kopfweh begleitete mich, Panikattacken, Schwindel und Ohnmachtsanfälle traten auf… Doch immer noch war ich blind, meinem Körper und Geist Aufmerksamkeit zu geben. Tja, und dann kam der Tag, an dem die Erlösung dann doch eintrat. Doch nicht so wie ich es mir vorstellte.

Es ist schwer jemanden zu erklären, wie man sich fühlt, wenn man dem Leben ein Ende bereiten möchte. Als Jugendlicher war es für mich unvorstellbar, dieses Geschenk zu beenden. Viel zu gerne lebte ich. Doch meine Mutlosigkeit, meine verlorene Selbstliebe, meine geglaubte Wertlosigkeit, die gefühlte Auswegs- und Machtlosigkeit, wurde so unglaublich groß, dass ich das Gefühl hatte, nicht mehr atmen zu können und vor allem nicht mehr zu wollen. Ich sah absolut keinen Sinn in meinem Leben, keine Liebe die mich berührte. Ich wollte einfach nur das der Schmerz, der so tief in mir war und mich, so schien es mir, innerlich auffraß, aufhörte. Ich wollte nicht mehr leben.

Danach folgten 2 lange, anstrengende Jahre des Aufarbeitens, Bearbeitens, Anschauens, Heulens und Weinens. Es kostete mich unglaublich viel Energie, meine alten Anschauungs- und Glaubensmuster aufzulösen und durch neue zu ersetzen. Hätte ich damals gewusst, was ich jetzt weiß, dann wär mir einiges viel, viel leichter gefallen.
Ich kann mich noch genau an den Satz erinnern, der mich dazu brachte, endlich wieder frei zu atmen. Er kam von meiner Psychologin im Krankenhaus. Sie sagte zu mir: „Sehen Sie es endlich ein, Sie sind es wert zu leben.“

Und damit begriff ich, dass alles, alles was ich angezogen habe, alle Situationen, die mich so sehr verletzten und auch die Momente, in denen ich mich nicht beachtete, nur daraus resultierten, dass ich mich selbst als wertlos ansah.
Doch dies hat sich nun geändert. Durch Bücher, Begegnungen mit wunderbare Menschen, Videos, Meditierens, Yoga, Zitate, Blogs und vielem mehr. Es war ein großes Stück Arbeit, aber jeder einzelne Schweißtropfen hat sich gelohnt. Ich empfinde mich und alle anderen Menschen und Lebewesen als etwas besonders, als wertvoll und vor allem als unglaublich mutig. Mutig sich jeden Tag dem Leben zu stellen, sich weiterzuentwickeln und die Hoffnung in sich tragend, dass für jeden ein wertvoller Platz hier auf der Erde ist.

Die schwierigste Zeit in unserem Leben ist die beste Gelegenheit, innere Stärke zu entwickeln.

(Dalai Lama)


Ich möchte jenen Menschen, die in sich das selbe Gefühl tragen, diese Hoffnungslosigkeit, die Mutlosigkeit und die Wertlosigkeit, sagen, dass sie es wert sind hier zu sein! Das sie es wert sind zu atmen, zu leben und vor allem glücklich zu sein. Manchmal braucht es Situationen, die uns wachrütteln, weil wir sonst nichts in unserem Leben und Gedanken ändern würden. Jeder hier ist es wert, ein wundervolles, glückliches Leben zu leben. Und es ist gar nicht so schwer 😉 Positive Gedanken, Hoffnung, Glaube, Wertschätzung, Dankbarkeit und Liebe, das sind die Zutaten für ein schönes Leben!

Und ich will jenen Menschen, denen es gut geht auch noch eines mit auf dem Weg geben:
Verlasst nie einen Menschen, ohne dass er lächelt! Sprecht ermutigende Worte, umarmt ihn, zeigt ihm dass er wertvoll ist! Denn du weißt nie, ob es nicht gerade diese eine Geste, dieser eine Satz ist, der Balsam für eine verletzte, traurige Seele ist!

Für Angehörige, die einen Menschen um sich haben, dem es nicht gut geht: Ich weiß, dass kein Ratschlag, keine Bitte, kein Jammern und kein Schreien, einen Menschen, der sich nicht liebt, keinen Sinn mehr in seinem Leben sieht, hilft. Diese Menschen sind so in ihrem Käfig gefangen, dass niemand sie retten kann. Niemand kann gerettet werden, man kann nur sich selbst retten. Dennoch können liebevolle Worte und Gesten Menschen tief in ihrem Inneren berühren. Lachen und Spaß vertreibt oft Kummer. Vor allem aber eine wertvolle Beziehung zu einem selbst und zu jener Person können helfen. Sorge und Mitleid verschlimmern die Depressionen, die Machtlosigkeit nur. Depressive Menschen fühlen sich dann nur noch mehr bestätigt, dass sie bemitleidenswert sind! Arbeitet gemeinsam an der Wertschätzung! Schreibt zusammen die Stärken des Menschen auf! Sucht nach Hobbys, bzw fördert sie! Fokussiert euch nur noch auf das Wunderbare an diesem Menschen. Bringt ihn zum Lachen und verbreitet eine fröhliche Energie! Redet NICHT über die Depression, oder die Situationen! Vertieft euch in Gespräche über eine wunderbare Zukunft. Was alles erlebt wird, malt sie euch in den schönsten Bildern aus! Begleitet den Menschen zu schönen Plätzen, macht ihn auf Wunder aufmerksam! Und sagt ihm immer wieder, dass er selbst ein Wunder ist! (Natürlich gilt das ganze nicht nur für depressive Menschen, jeder sollte sich diese Lebensweise aneignen!)

Und noch ein Tipp, für ALLE, denen es nicht gut geht oder in einer Situation sind, die ihnen Angst bereitet: Singt! Singt laut und voller Inbrunst! Denn wenn du singst, ist es deinem Gehirn nicht möglich Angst produzieren. Dieser Bereich ist währenddessen blockiert!

Ich schulde mir selbst wohl die größte Entschuldigung, weil ich mich habe Dinge ertragen lassen, die ich nicht verdient habe!


Ich drück euch
Eure Anna

2 Kommentare
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    Eveline

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    Lb Anna, ich bewundere dich und deine Stärke sowie deine unerschütterliche Kraft deines positiven Denkens. Dein Glaube an dich, an das wunderbare Leben ist in jedem deiner Worte zu lesen. Dieser Beitrag ist unglaublich bewegend, berührend, schleicht sich tief ins Herz hinein.
    Ich spreche dir auf diesem Weg für deinen Mut, deine wieder gefundene Selbstachtung meine tiefste Hochachtung aus. ❤️Evelin

    • Anna

      Anna

      Liebe Eveline! Danke für deine wunderschönen Worte! Jedes Tief in einem Leben kann überwunden werden! Depressionen und Burn-out gehen uns alle etwas an. Es kann plötzlich jeden treffen und es ist dann an uns, jene Menschen wieder zu inspirieren!
      Ich drück dich aus tiefsten Herzen!
      Deine Anna

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