Der Hafen

Stolz und majestätisch steht sie da. Die Segel sind gehisst und der Anker wird gelichtet. Einzelne Rufe der Matrosen dringen an mein Ohr. Die Wellen klatschen hart gegen die Bordwand, Möwen kreischen ihr Abschiedslied. Leise seufzt der Wind und beginnt die Segel zu blähen. 

Es ist soweit. Der Anker rastet ein, das Ruder wird ausgerichtet und der Wind treibt das Schiff aufs Meer hinaus. Sanft schaukelnd, gleitet es dem Horizont entgegen, verlässt das Hafengelände. Lässt Sicherheit und Ruhe hinter sich und segelt unbekannten Gewässern entgegen. Es wird nicht wiederkehren, nicht mehr die sanfte, sichere Umarmung des Hafens spüren. Sonne, Wind und Regen sind nun seine Begleiter, der Horizont das Ziel. Es muss Stürmen trotzen und Flauten bekämpfen.
Es wird ungeahnte Weiten entdecken und fremde Länder sehen.

Ich winke ihnen zu, jenen die auf das Abenteuer warten. Meines hat bereits begonnen, ich stehe auf dem Schiff, das „LEBEN“ heißt.

Ein Schiff ist im Hafen sicher, doch dafür werden Schiffe nicht gebaut.
(John Augustus Shedd)

Woran liegt es, dass wir im Hafen verweilen? Warum fühlen wir uns dort so sicher und das Meer macht uns Angst? Was ist es, was der Hafen uns bietet?
Warum sind wir Menschen so auf Sicherheit bedacht?

Sicherheit spielt eine große Rolle in unserem Leben. Sicherheit bedeutet Stabilität, Kontrolle und Überleben. Haben wir keine Sicherheit sind wir verletzbar, unsicher, klein und fühlen uns schwach, ja ausgeliefert. Wir halten uns lieber in Gefilden auf, die wir in und auswendig kennen, in denen wir uns wohlfühlen, wo es bequem ist und unkompliziert. Wir leben in unserer Komfortzone.
Ein verlassen dieser fühlt sich ungewohnt an, beängstigend. Wir wissen nicht, auf was wir uns einstellen müssen, wie wir reagieren sollen und was tatsächlich passiert. Wir halten uns lieber im Hafen auf, grüßen täglich die selben Leute, kaufen in den selben Geschäften ein und gehen den gleichen Weg zur Arbeit. Wir wissen, dass nur einen Schritt entfernt das große, weite Meer liegt. Das Meer der Möglichkeiten. Doch Bekanntes hinter uns zu lassen und Neues zu entdecken, das fällt uns schwer.

Woher sollen wir es denn auch können? Woher sollen wir den Mut finden aufs Schiff zu treten, die Komfortzone zu verlassen und neue Länder zu entdecken? Wir lernen am Modell und kaum jemand zeigt uns wie wir mutig und fordernd sein können. Wie es wirklich funktioniert, dieses Loslassen und  wie wir entspannt mit neuen Situationen umgehen. Niemand lehrt es uns. Kaum einer sagt, dass wir unzufrieden mit dem Hafenstädtchen sein dürfen und wir den Drang des Entdeckens nachgeben dürfen.  Wir sind es gewohnt dort zu leben. Und Gewohnheiten zu ändern ist bekanntlich nicht einfach.
Es erfordert eine Menge Mut und Selbstbewusstsein eine Veränderung anzutreten und auch dabei zu bleiben.

Warum soll man sein Sicherheitsdenken denn überhaupt ändern?  Warum sich mit dem Gedanken befassen, zu lernen wie man mit Neuem umgeht, Neues im Leben haben zu wollen?
Weil es keine Sicherheit im Leben gibt. Nichts im Leben ist für immer da. Kein Mensch,  kein Tier, keine Situation wird 2x genau gleich sein. Kein Beruf ist euch sicher, kein Material unendlich verfügbar.
Weil uns jegliche Veränderung überfordert und uns kompliziert erscheint. Und weil wir in unserem Sicherheitsdenken niemals glücklich werden können.

In der Komfortzone zu bleiben ist bequem. Doch dann lebt man nicht. Man versucht krampfhaft am Alten festzuhalten.  Das Leben stagniert. Und das macht nicht glücklich.
Wenn du ein Leben leben willst, in dem du glücklich bist, dann musst du aus deiner Komfortzone ausbrechen. In deiner kleinen, wohligen Bequemlichkeit ist keine Veränderung möglich. Willst du dein Leben ändern, dann musst du es so leben wie du es noch nie gelebt hast, so wie du es leben möchtest. Du musst etwas anders machen als bisher. Sicherheitsdenken hinter dir lassen und Neues wagen! Risikos eingehen um zu sehen, dass du Festgefahrenes ändern kannst, dass du über dein Leben bestimmst.

Glückliche, erfolgreiche Menschen haben sich vom Alten losgerissen, brachen aus der Komfortzone aus und sind Waghalsiges eingegangen. Und der Lohn war zu leben.

Verlasse den trügerischen, sicheren Hafen und lernen die Welt da draußen kennen, lege dir den Horizont als Ziel fest und steuere darauf zu. Mache mehr aus deinem Leben, als nur verträumt und verlangend auf dem Steg zu stehen. Für jeden steht ein Schiff bereit, dass nur darauf wartet die Welt zu erobern!

Du kannst doch nicht zulassen, dass ihm nie etwas passiert. Dann passiert ihm doch nie etwas!
(Dory aus „Findet Nemo“)

Vorschau nächster Blogeintrag: „Deine Komfortzone und wie du sie verlässt“

2 Kommentare
  • Avatar

    Eveline

    Antworten

    Wunderbar geschrieben. Und so wahr. Nur ist es oft ganz schwer aus dem alten Trott auszubrechen. Aber es ist machbar und man erkennt schon bei den kleinsten Kleinigkeiten dass das Leben noch ganz was anderes zu bieten hat als man bisher gewohnt war. Liebe Anna bitte mach weiter so. Es ist berührend wie und was du schreibst.

    • Anna

      Anna

      Liebe Eveline! Vielen Dank für deine wunderbaren Worte! Es freut mich sehr, dass ich Menschen mit meinen Worten berühren kann. Jeder Anfang ist schwer, aber ich bin mir sicher, jeder der es will kann es schaffen und die Welt da draußen entdecken! Ich schicke dir eine dicke Umarmung!!

      Deine Anna

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