Der Weg… oder DEIN Weg??

Es ist Nacht und wir haben angehalten. Endlich… Der Tag war anstrengend, viele Meilen liegen hinter uns. Wir haben viel geschafft. Die Füße tun mir weh und der Rucksack wird immer schwerer, so kommt es mir vor. Ich schaue auf zum Nachthimmel. Es ist klar. Die Sterne glitzern über uns und der Mond wird immer voller. Bald ist Vollmond… Ich senke meinen Blick und betrachte die Menschen rund um mich herum. Auch sie sehen müde aus und sind froh über die nächtliche Rast. Ich blicke in ihre Gesichter. Arbeit und Schicksalsschläge zeichnen sich dort ab. Müdigkeit und Sorgen haben tiefe Falten gegraben. Werde ich auch mal so aussehen? Vom Leben gekennzeichnet? Der Mann neben mir beobachtet mich. Er ist erst gestern zu uns gestoßen und hat mich gefragt, wohin wir denn gehen. Ich habe mit einem „Ich weiß es nicht, die Anführer werden es schon wissen“ geantwortet. Er hat mich ganz komisch angesehen und nachgehakt, wer denn die „Anführer“ sind. Wieder hab ich meinen Kopf geschüttelt und geantwortet „Ich weiß es nicht“. Der Blick des Neuen wurde immer verwirrter. „Und was ist euer Ziel? Was wollt ihr? Warum hast du dich dem Ganzen angeschlossen?“ fragte er mich. Ich sah ihn an „Ich weiß es nicht…“
Danach haben wir nicht mehr miteinander geredet. Seine Fragen hallen immer noch in meinem Kopf nach, doch kann ich keine Antworten finden. Mich beschäftigt die ganze Zeit die Frage „Was mache ich eigentlich hier?“

Weiter hinten höre ich laute Stimmen. Ich drehe mich um und sehe, dass wir wieder einen Menschen verloren haben. Laut vor sich hinpfeifend marschiert er aufs offene Feld hinaus. Weiß er denn nicht wie gefährlich das ist?, denke ich mir und schüttle den Kopf. Der Fremde von gestern schaut mich an. „Du verurteilst ihn?“, fragt er mich.
„Ich verstehe ihn nicht. Wie kann man die Sicherheit der Gruppe verlassen. Sie sichert das Überleben, wir können uns gemeinsam verteidigen, wir haben eine laute Stimme, nur hier geht es uns gut.“

Er lächelt mich an. „Bist du glücklich?“. Seine Augen bohren sich in meine. „Ich weiß nicht“, kommt es wieder aus meinem Munde. Er reicht mir seine Hand „Komm mit mir“, verlangt er. „Wohin?“, antwortete ich ihm. „Ins Leben“ .“Warum sollte ich? Ich lebe doch auch hier und hier geht es mir gut. Es ist sicher“.
„Ja es ist sicher. Sicher, dass du sterben wirst. Eines Tages, nächstes Jahr, im nächsten Monat oder vielleicht morgen. Das selbe Schicksal haben wir alle, doch willst du deine Jahre hier in der Menschenschlange verbringen? Immer die selben Gesichter sehen, nicht wissen wohin du läufst? Nicht wissen was dein Ziel ist? Deine Ziele verdrängen oder sogar vergessen?  Die Welt nicht zu entdecken? Dein Glück am Straßenrand liegen zu sehen und es nicht aufzuheben? Deine Träume im Sand verlaufen zu lassen?“
Ich betrachte seine Hand, die immer noch ausgestreckt ist. Soll ich mit ihm gehen? Hinaus ins Nichts? Und ich fühle eine tiefe Sehnsucht. Ich erinnere mich an meinen Kindheitstraum, einmal das Meer zu sehen. „Ich würde gerne das Meer sehen, aber vielleicht geht unsere Gruppe ja dort hin. Irgendwann…“
„Komm mit mir und ich zeige es dir. Tritt heraus und du wirst es nicht vielleicht sehen, aus der Laune der Gesellschaft heraus, du wirst es sicher sehen. Dein Wunsch wird sich erfüllen, wenn du den Pfad verlässt und deinen eigenen Weg gehst“

Ich blicke mich um, rundherum ist es still. Jeder beobachtet uns. Alle warten darauf, dass ich gehen, hinfallen und mit eingezogenem Schwanz zu ihnen zurückkehren würde. Das machen sie immer so.
Mein Blick wurde wieder von seiner Hand angezogen und
ich nahm sie…

 

Erwarte nicht von allen, dass sie deinen Weg verstehen, denn niemand außer dir muss ihn gehen.

(unknown)

Du bist hier, damit du glücklich bist und jeden Tag ein Stückchen näher an deine beste Version deines Selbst gelangst. Du bist dein bester Kritiker und nur DICH musst du glücklich machen. Anderen kannst du Wege aufzeigen und Hilfe anbieten, doch sie müssen sich dafür entscheiden und das kann nur jeder für sich selbst.

Jeder Mensch ist anders, wir alle sind verschieden, niemand gleicht dem anderen. Und doch zwingen wir uns dazu, alle den gleichen Weg gehen zu müssen. Wir schlagen Wege ein, die gar nicht zu uns passen, unser Innerstes mehr verraten und verdrängen, als das es uns dort hin führt. Wir haben alle Angst uns von dem Trampelpfad abzuwenden und querfeldein zu wandern. Wir tun es, weil es die anderen auch tun, es immer schon so war, weil es die Gesellschaft so verlangt. Im Trampelpfad fühlen wir uns sicher, wir laufen mit anderen mit, teilen die Situationen und das Umfeld.
Glücklich und individuell sind wir dabei aber nicht. Es ist eine Massenabfertigung von Menschen. Jeder der individuell ist, wird schräg beäugt und doch irgendwie, hinter vorgehaltener Hand, bewundert. Denn es erfordert viel Mut und Selbstwertgefühl, sich vom Alten abzuwenden und Neues, Gewagtes ins Leben zu holen. Sichtbar ist man in der Herde nicht und leider hat man auch kein Mitspracherecht. Man läuft einfach hinterher, nimmt alles an was so kommt und weiß eigentlich gar nicht wohin man geht. Und vor allem, ob das Ziel, welches die Herde anstrebt auch MEIN Ziel ist?

 

Jeder fragt, ob du Karriere machst, ob du verheiratet bist oder ein Haus besitzt. Als ob das Leben ein Einkaufszettel wäre. Niemand fragt, ob du glücklich bist.
(Heath Ledger)

 

Ich frage dich, ob du ein Leben leben möchtest, dass sich die Gesellschaft für dich ausgedacht hat oder ob du so ein Leben haben willst, das für DICH richtig ist? Das DICH glücklich macht?
Betrachte dein Leben und stelle fest, ob du deinen Weg gehst, oder den vorgefertigten der Gesellschaft.
Höre auf dich mit anderen zu messen, denn du vergleichst ja auch keine Birnen mit Äpfel, obwohl beides Obst ist.
Höre auf Gott zu spielen, in dem du den Weg anderer beurteilst. Du kennst nur die Spitze des Eisberges.
Setze dir deine Ziele für dich und nimm deinen eigenen Weg dorthin.
Hole dir Rat bei jemanden, der auch ein Individualist ist und ziehe nicht die Ratschläge der Gesellschaft in Betracht.
Mache das was dir Spaß macht und mache es immer wieder. Weil es dich glücklich macht. Nicht weil es so sein muss. Erfinde Neues, sei kreativ, setze dir den Horizont als Ziel.
Begeistere andere mit deinem Freigeist und unterstütze jene, die auch ausbrechen wollen.
Nimm Kritik von jenen, die nicht weiter als bis zum Tellerrand sehen, nicht allzu ernst. Du bist der einzige Mensch vor dem du dich rechtfertigen musst. Wenn du dich in dem Spiegel betrachten kannst, dann ist es gut.

Beginne deine eigenen Fußabdrücke in der Welt zu hinterlassen. Mache aus dir einen Menschen, der andere glücklich macht, weil du selbst glücklich ist. Gehe deinen Weg, vielleicht fällst du hin, aber du stehst wieder auf. Die anderen werden dich beobachten, das ist nur ein Ansporn, weiter auszubrechen und näher an dein Ziel zu gelangen. Nicht jeder wird deinen Weg verstehen und ihn für gut heißen, doch das muss auch niemand außer dir.
Dein Weg ist nicht immer leicht, du musst dir deine Route selber überlegen, Hindernisse alleine aus dem Weg schaffen, und genau das führt dich zu dir, ganz tief in dein Innerstes. Und dort wirst du finden, was anderen verwehrt bleibt:

Frieden.

(Konfuzius)

0 Kommentare

Schreibe einen Kommentar