Wie mein Hund mir beibrachte zu leben

Heute wird’s persönlich 🙂

Heute geht es mal um keine Tipps und Wege, wie ihr euer Leben gestalten könnt. Heute greife ich tief in meine Persönlichkeitskiste und berichte euch eine Geschichte aus meinem Privatleben. Warum? Naja, ich dachte mir, dass es vielleicht den ein oder anderen interessiert, was bei mir im Hause Anna so abgeht, dass sich manche eventuell in einer ähnlichen Situation befinden und/oder einige auf Wundergeschichten stehen.
Denn so eine Geschichte ist das hier.

Mein Malteser-Havaneser Mischling Happy


Um den Anfang kurz zu halten: Ich wollte schon immer einen Hund. Ich wollte immer Haustiere, aber zu Hunden hatte ich schon als kleines Kind einen Faible. Ja, ich weiß, Kinder stehen auf alles was knuffig und flauschig ist, ist jetzt nichts besonderes 😉
Doch mit 23 Jahren erfüllte ich mir diesen Wunsch und suchte nach meinem Begleiter auf 4 Pfoten. Die Suche gestaltete sich ein wenig schwierig, ich wollte einen Chihuahua, doch in den Tierheimen gab es keinen. Warum gerade einen Chihuahua? Ich besaß damals eine kleine Garconniere und wollte einem großen Hund das Leid einer kleinen Wohnung ersparen.
Irgendwann stieß ich auf eine Dame, die kleine Hunderassen verkaufte und ich besuchte sie. Die Chihuahua Welpen waren noch recht klein und daher zeigte sie mir zwei andere Welpen. Happy und seine Schwester. Es war Liebe auf den ersten Blick und Weihnachten 2014 holte ich meinen Schatz zu mir nach Hause.

Viel zu spät vielen mir die Ungereimtheiten mit der „Züchterin“ und dem Gesundheitszustandes meines Hundes auf. Im Nachhinein gesehen, hätte jeder Hundekenner auf Anhieb gewusst, dass die Welpen aus dem Welpenhandel stammen, doch ich sah nur meinen neuen Begleiter. Krankheit um Krankheit, Tierarztbesuch um Tierarztbesuch… Verzweiflung und Tränen kostete mich das erste Jahr mit Happy. Geld im vierstelligen Bereich floss aus meiner Geldbörse in Tierarzt, Medikamente, Naturheilmittel und neues Futter. Doch Happy hatte eine Darmentzündung, eine Erkältung nach der anderen. Noch dazu kam meine Unwissenheit über Hunde, obwohl ich mich gründlich informiert hatte. Theorie und Praxis – dazwischen liegen Welten. Alles in allem gesehen, war das erste Jahr anstrengend und schwierig.

Als ich einen Ortswechsel und einen Wohnungswechsel hinter mir hatte, wurde es besser, jedoch fraß Happy immer noch nicht richtig, war stets erkältet und musste ein Antibiotika nach dem anderen nehmen.

Ich will euch gar nicht aufschreiben was ich alles versucht habe. Futter verweigerte er, welches er fraß vertrug er nicht. 2017 dann die Bombe – Gelenke und Knochen sind marode und dass mit 3 Jahren! Eine Operation wäre eine Option, doch Heilung ist nicht garantiert.
Ich glaube ich brauche euch nicht sagen, wie sehr ich gelitten habe, meinen Hund so, seine Lebenslust schwinden zu sehen. Irgendwie haben wir es dann so halbwegs in den Griff bekommen. Die Gelenke durften nicht viel belastet werden. Doch seine Futterverweigerung blieb, auch seine Anfälligkeit für Krankheiten.

Und plötzlich, nach 4 Jahren intensiven Zusammenlebens, forschen in den verschiedensten Büchern und Information-Einholens bei Freunden und Tierärzten verstand ich –

Mein Hund zeigte mir lediglich meine eigenen Baustellen!


Jeder Diätologe und Ernährungwissenschaftler würde umfallen, wenn er mein Essverhalten gesehen hätte. Kochen? Wozu? – ich bin doch ein Single-Haushalt. Gesundes Essen? Warum? – Süßigkeiten und Fast Food geben schneller Energie und schmecken besser. Bio- Produkte? Für was? – zu teuer…
Und auch meine Lebensweise an sich war nicht die beste. Sport? – Pfhh zu anstrengend. Glücklich sein? Wie? – ich war so in meiner Mitleids- Jammerei – Phase gefangen, klar, bekam ich doch dadurch Aufmerksamkeit und Liebe.
Dies und viel mehr versuchte mir mein Hund zu zeigen und er kompensierte all das Negative in meinem Leben und wurde dadurch immer wieder krank.

Ernährung

Wie schon geschrieben war mein Koch -und Essverhalten unter aller Sau. Ja doch, ganz ehrlich. Warme Mahlzeiten gab es bei mir vielleicht 2-3x in der Woche. Frühstück gab es kaum, ich hatte keine Zeit am Morgen. Gesunde Lebensmittel fanden keinen Platz bei mir, denn ich brauchte etwas was schnell Energie gab und wenig Zeit in Anspruch nahm.
Dass ich hier meinem Körper nichts Gutes tat, ist wohl jedem klar (naja mir war es nicht klar…)
Und genau hier setze mein Hund an. Er fraß kaum und wenn dann nur Ungesundes. Er wollte mir nur zeigen, was ich da tat! Mein Körper zeigte mir nur an meiner Haut, dass ich mich selbst krank machte, Happy wurde krank – Darmentzündungen und Magenkrämpfe standen an der Tagesordnung.
Ich probierte alles, Trockenfutter, Nassfutter, Bio-Futter, Drecks-Marken, BARFEN. Es half nichts.
Bis ich mein eigenes Essverhalten umstellte. Und siehe da! Happy kann Fleisch fressen, ohne Bauchweh und Entzündungen! Interessant nicht wahr?

Wann gibt’s Fressen?


Sport

Ich war nie ein Sportmensch. Menschen, die sich körperlich betätigten waren für mich immer komisch. Ich verstand den Sinn dahinter nie 🙂 Und auch Happy ist ein eher gemütlicher Typ. Doch die Gelenksentzündung war ein Trauma für mich. Happy lag nur mehr auf dem Sofa, Gassi gehen war kein Thema, er konnte sich gerade noch in den Garten schleppen und sein Geschäft verrichten.
Ich fand dann durch eine gute Freundin heraus, dass Braunhirse-Pulver ein Wundermittel für Gelenks -und Knochenprobleme ist. Jetzt traute ich mich mehr mit Happy zu unternehmen, ihm mehr zu zutrauen und ich fand gefallen daran. Lange Spaziergänge, frische Luft. Ich merkte wie mein Körper danach lechzte.

Nach einem langen Spaziergang wird gerastet!


Stimme für die Schwachen

Wenn man einen Hund besitzt, achtet man automatisch darauf wie andere Hundebesitzer mit ihren Tieren umgehen. Ich fand Tierleid immer schon furchtbar, doch konnte mich nicht dazu äußern. Mit Happy fand ich meine Stimme für die Schwachen. Hundehalter, die ihrem Hund Unrecht taten sprach ich an. Menschen, die gemein zu anderen waren, hörten meine Meinung. Ich wurde laut und stark.


Selbstwert

2016 war mein Katastrophenjahr… Ich musste ins Krankenhaus, um wieder zu mir zu finden. Die 2 Wochen ohne meinen Hund und ohne meine Katze waren ein Alptraum. Und auch die Zeit danach war schwierig. Man ändert sich nicht von einem Tag auf den anderen. Wer ein Zerdenker ist, der bleibt das auch noch ein Weilchen, auch wenn man weiß, dass es nicht gut ist. Happy half mir jedes, JEDES Mal, wenn ich mich in meinen Gedanken verlor und tief unglücklich war. Er konnte noch so gut schlafen, wenn ich weinte, legte er sich zu mir (er war absolut kein Kuschelhund), wenn mein Gedankenkarusell sich drehte, wollte er hinaus, auch wenn er gerade draußen war, um seine Blase zu entleeren und er presste die letzten Tröpfen heraus nur um zu zeigen, dass er „wirklich“ hinaus musste. So holte er mich jedes Mal aus meiner Trauer. Und auch jetzt, nach dem es mir ausgesprochen gut geht, gibt es Tage, da hänge ich ein wenig fest – in Vergangenheit oder Zukunft. Und immer fällt ihm etwas ein um mich abzulenken.

Auch bei Fotoshootings war Happy oft dabei. Hier ein Bild von Georg Haaser


Vertrauen

Ich hatte einige Situationen, in denen mein entgegengebrachtes Vertrauen misshandelt wurde. Und irgendwann machte ich zu. Keinen mehr ins Herz lassen, dann wird man auch nicht mehr verletzt, dass war meine Devise. Happy zeigte mir aber, dass es Menschen gibt, denen ich vertrauen kann. Mag er sie, dann kann ich es. Wendet er sich ab, verkriecht er sich bei mir, bellt, dann weiß ich – STOPP. Jetzt wo ich ein Gespür für sein Verhalten habe, muss ich manchmal lachen, denn unsere Gefühle passen immer. Menschen die mir von Anfang an unsympathisch waren, mochte er auch nie. Das hat mich auch dazu gebracht, viel mehr auf mein Bauchgefühl zu hören. Es hat IMMER Recht!


Bedingungslose Liebe

Man sagt immer, dass ein Hund sein Herrchen/Frauchen mehr liebt als sich selbst. Auch für mich war das am Anfang eine Verschönerung des Hundehaltens. Doch jetzt nach 4 Jahren kann ich es bestätigen. Happy hat sich in mein Herz geschlichen. Er ist dort, wo bisher nur meine Familie teilweise war. Ein Leben ohne ihn ist für mich absolut nicht vorstellbar und ich habe Tränen in den Augen, wenn ich daran denke, dass es aber irgendwann so sein wird. Dann, wenn seine Aufgabe hier bei mir erfüllt ist.
Die Liebe eines Hundes kann man nicht beschreiben. Der Hund liebt dich in jeder Situation, egal ob du Zeit hast, oder er auf dich warten musst, er freut sich jedes Mal, wenn du nach Hause kommst, auch wenn du nur kurz im Keller warst. Er liebt dich, wenn du dich selbst nicht ausstehen kannst, wenn du deine schlechte Laune an ihm auslässt. Wenn du deine Bedürfnisse vor seine stellst und er noch ein wenig die Beinchen zusammenklemmen muss, bevor er Pipi machen kann. Er liebt dich in deinen schlimmsten Zeiten und er ist für dich da, wenn es dir gut geht. Er IST da! Seine Liebe IST. Und dieses Gefühl ist unbeschreiblich!
Happy hat mein Leben verändert. Ohne ihn wär ich heute nicht ich. Und dafür danke ich dir kleiner Held.
Du hast mich gerettet!


Für all diejenigen, die ein tolles Buch dazu suchen:
„Was dir mein Herz noch sagen wollte: Hundebotschaften, die die Seele berühren “ von Susanne Orrù-Benterbusch
Amazonlink gibt’s hier
ISBN: 978-3-8434-5162-8

2 Kommentare
  • Eveline

    Antworten

    Liebe Anna… Ich bin zu Tränen gerührt.
    Herzergreifend deine Worte, der Ausdruck der Liebe zu Happy. Sie treffen das Herz ganz tief drinnen. Wundervoll so ein Tierchen zu haben.
    Happy ist ein ungewöhnlich einfühlsames liebevolles Kerlchen. Und dazu noch so fotogen. ❤️
    Liebe Anna ich gratuliere dir zu deinem neuen wieder gefundenen Leben mit deinem süssen Kleinen. Herzlichst Eveline 💕💕

    • Anna

      Anna

      Liebe Eveline! Tausend dank für deine lieben Worte. Ja Happy ist ein ganz besonderer Begleiter. Ich kann jedem nur wünschen so jemanden an seiner Seite zu haben. Alles Liebe und ich drück dich ganz fest! Deine Anna

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